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Katholikinnen und das Zweite Vatikanische Konzil

Geschichte der internationalen Bewegung Christlicher Frauen - GRAL in Deutschland 1932-2000 (abgeschlossen)

Fromme Verspätung (abgeschlossen)


Katholikinnen und das Zweite Vatikanische Konzil

Quellenerschließung und Edition von Konzilseingaben, Berichten und Briefen zum Konzil, Fotografien

Ehrle u  Sr  Juliana Thomas.jpg

Foto: Archiv KDFB Köln

Projektskizze:

Katholikinnen waren erst spät und nur in kleiner Zahl beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) präsent: Ab September 1964 nahmen Laienauditorinnen an den Sitzungen teil. Unter den zuletzt 23 Frauen waren aus Deutschland Sr. Juliana Thomas ADJC als Generalsekretärin der Vereinigung der Höheren Ordensoberinnen Deutschlands und Dr. Gertrud Ehrle vom Präsidium des Katholischen Deutschen Frauenbunds. Die späte Teilnahme von Frauen spiegelt sich in der Geschichtsschreibung zum Zweiten Vatikanischen Konzil: Auch hier werden Katholikinnen als Akteurinnen kaum berücksichtigt, obwohl sie in Rom und ihrer jeweiligen Heimat – etwa durch Konzilseingaben im Vorfeld, durch die Mitarbeit in Rom, als Journalistinnen oder Gastgeberinnen – vielfach aktiv am Konzilsgeschehen beteiligt waren. 

Ziel des Projektes ist es, bislang unbekannte Quellen zur Konzilsbeteiligung von Katholikinnen, insbesondere aus dem deutschen Sprachraum, zu erschließen und zu edieren. Thematische Schwerpunkte sind u.a.

  1. Erwartungen an das Konzil (Konzilseingaben von Frauenverbänden und Ordensgemeinschaften; Initiativen einzelner Frauen).
  2. Berichte aus Rom über das Konzil (Berichte und Korrespondenzen von Laienauditorinnen, Mitarbeiterinnen in den Konzilssekretariaten, Romreisenden und Gastgeberinnen).
  3. Das Konzil vor Ort (Dokumente zur Konzilsrezpeption aus Verbänden, Pfarreien, Ausbildungsinstitutionen u.a.).

Diese Dokumente eröffnen neue Perspektiven für die Geschichtsschreibung des Zweiten Vatikanischen Konzils – auf geschlechtsspezifische Erwartungen; auf die Zusammenarbeit von Konzilsvätern, Konzilstheologen und Frauen; auf den Beitrag insbesondere der Ordensschwestern zur Infrastruktur in Rom und nicht zuletzt auf die Rezeption des Konzils. Anlässlich des 50. Jahrestags der Ernennung von Laienauditorinnen wird die Edition im Herbst 2014 erscheinen.

 

Projektleitung:                        Prof. Dr. Gisela Muschiol (Muschiol[at]uni-bonn.de)

Projektmitarbeiterin:               Dr. Regina Heyder (regina.heyder[at]uni-bonn.de)

Studentische Hilfskraft:         Sophia Franke (sfranke[at]uni-bonn.de)

Anschrift:

Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte/

Arbeitsstelle für Theologische Genderforschung

Katholisch-Theologische Fakultät, Universität Bonn

Am Hof 1

D-53113 Bonn

Tel.: +49 (0)228/73-7848

Fax: +49 (0)228/73-6582

 

Geschichte der internationalen Bewegung Christlicher Frauen - GRAL in Deutschland 1932-2000 (abgeschlossen)

Der niederländische Jesuit Jacques van Ginneken gründete 1921 die „Frauen von Nazareth“ – eine Gemeinschaft zölibatär lebender Frauen, deren Ziel die Bekehrung „ungläubiger“ Mädchen und Frauen war. In den Niederlanden führten die „Frauen von Nazareth“ zunächst vor allem berufsbildende Kurse durch, sie widmeten sich dem Apostolat unter Fabrikarbeiterinnen und unterhielten ein Exerzitienhaus für Nichtkatholiken. Eine zweite Gruppe – vor allem Studentinnen, die an der Universität Nijmegen bei van Ginneken studierten oder promovierten – wollte eine Frauenuniversität auf Java aufbauen. 1928 mussten die Frauen diese Pläne auf Bitten des Haarlemer Bischofs Aengenent zurückstellen, der ihnen die Verantwortung für eine katholische Mädchenarbeit in seiner Diözese übertrug. Diese neue Bewegung erhielt den Namen GRAL, ihre Leiterinnen waren die „Frauen von Nazareth“. Im Juni 1932 kamen auf Einladung Bischof Christian Schreibers drei „Frauen von Nazareth“ in die neu errichtete Diözese Berlin, um dort nach niederländischem Vorbild eine katholische Mädchenarbeit aufzubauen. Einer größeren Öffentlichkeit präsentierte sich der GRAL erstmals am 8. Januar 1933 im Berliner Sportpalast mit dem „Massen-Mysterienspiel Rorate“, an dem 1200 deutsche und niederländische Mädchen mitwirkten. In Sprechchören wurden Spiritualität und Ziel der Bewegung – „Gott sei der Herr der Welt“ – vermittelt. Klassische Elemente einer (katholischen) Jugendbewegung prägten die Mädchenarbeit in Berlin: Gruppenstunden, Lieder, Wanderungen mit Übernachten im Stroh, Zeitschriftenapostolat. Die Mädchen trugen eine Kluft und führten Banner mit dem Gralemblem mit sich. Schon nach kurzer Zeit gab es drei Zentren in Berlin, hinzu kam ein Noviziatshaus der „Frauen von Nazareth“ in Dahlem. 1937 musste die niederländische Verantwortliche Berlin verlassen, 1939 wurden die Zentren zwei Wochen von der Gestapo durchsucht und die Arbeit verboten. Der Neuanfang des GRAL in Deutschland nach 1945 ist untrennbar mit dem Namen der Bonnerin Dr. Alberta Lücker verknüpft, die während der NS-Zeit in einem englischen Gralzentrum und in den Niederlanden gelebt hatte.. Sie war im „Außenamt“ des Zentralkomitees der deutschen Katholiken tätig, wurde Initiatorin und Vorsitzende des Katholischen Akademischen Ausländer-Dienstes (KAAD) und arbeitete während des Zweiten Vatikanischen Konzils in Rom. 1969 wurde sie Mitbegründerin der „Weltkonferenz der Religionen für den Frieden“. Neben Bonn entstanden in den 1950er und 1960er Jahren weitere Zentren in Münster, München und in Mülheim, wo der deutsche GRAL seit 1962 seinen Sitz hat. In den Nachkriegsjahren arbeiteten Gralfrauen beispielswiese in Flüchtlingslagern und bemühten sich um die Qualifizierung junger Frauen aus Ländern aus dem Osten, um so die Voraussetzungen für eine Berufsausbildung zu schaffen. Ab 1962 wurden in Mülheim die ersten katholischen Entwicklungshelferinnen ausgebildet, hinzu kam die Sozialarbeit mit Gastarbeitern. Ein besonderer Tätigkeitsschwerpunkt war immer die internationale Arbeit der Gralfrauen in Zusammenarbeit mit Gralfrauen anderer Länder, etwa in den internationalen Leitungsteams und Projekten der Entwicklungszusammenarbeit, in Nichtregierungsorganisationen und interkulturellen Projekten in Deutschland.

Das von GRAL finanzierte Drittmittelprojekt ist an der Arbeitsstelle für Theologische Genderforschung angesiedelt und auf zwölf Monate angelegt (Okt. 2010 bis Sept. 2011). Ziel ist eine Geschichte des deutschen GRAL im internationalen Kontext. Archive befinden sich in Mülheim, Bonn, Berlin und Nijmegen.

Projektleitung: Prof. Dr. Gisela Muschiol

Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Regina Heyder, von 2007-2010 Mitarbeiterin beim DFG-Projekt „Fromme Verspätung? Katholikinnen, Protestantinnen und Jüdinnen zwischen

Neuer Frauenbewegung, gesellschaftlichem Wandel und religiöser Bindung“ (Teilprojekt Katholikinnen); 2009 Promotion an der Kath.-Theol. Fakultät Tübingen (Auctoritas scripturae. Schriftauslegung und Theologieverständnis Peter Abaelards unter besonderer Berücksichtigung der ‚Expositio in Hexaemeron’“ (Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters Bd. 74, Münster 2010).

 

Fromme Verspätung (abgeschlossen)

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