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Symposium "Katholizität im Kommen?" (2008)

Identität und Transformationsprozesse des Katholischen

 

Am 24. und 25. Oktober 2008 fand im Collegium Albertinum das international beschickte Symposium "Katholizität im Kommen? Identität und Transformationsprozesse des Katholischen" statt. Veranstalter war Prof. Dr. Dr. Claude Ozankom vom Fundamentaltheologischen Seminar der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn. Die Leitfrage war, wie sich die Kirche als katholische in ihrer weltkirchlichen Dimension heute darstellt - gerade vor dem Hintergrund der Globalisierung.
 
Am ersten Tag wurde dazu dem Katholischen aus der Perspektive verschiedener theologischer Disziplinen nachgegangen.
Der bekannte Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner sprach angesichts der religiösen Situation heutzutage von einer "Verbuntung" der Gesellschaft, insofern als sich neben einem christlichen Kernfeld ein wachsendes atheistisches und ein großes - wenig - bekanntes - spirituelles Feld gebildet haben. Diese Verbuntung führe zu Polarisierungen und zu einem zwangsläufigen clash of religions, dem von Seiten der Kirche mit einer globalen Sicht auf die Welt und Gastfreundschaft ihr gegenüber zu begegnen sei.

Hans-Jürgen Findeis aus Bonn eröffnete aus der Perspektive der neutestamentlichen Exegese den Begriff des Katholischen im Kontext der Rede von der Ökumene. Im Neuen Testament fordere gerade die Vielgestaltigkeit der religiösen Welt die in Christus geeinte kleine Gemeinde zum Dialog heraus.
Am Beispiel der Osterfeststreite der frühen Kirche stellte der Kirchengeschichtler Georg Schöllgen die Bedeutung des römischen Bischofs in der Gesamtkirche heraus, welche sich nicht als Primat darstelle, sondern als einer neben und mit anderen Bischöfen. Jedoch eigne ihm wie den anderen die Verantwortung, Differenzen im Dialog zu klären. Mit Blick auf das Zweite Vatikanische Konzil machte sich die Bonner Kirchengeschichtlerin Gisela Muschiol auf die Suche nach dem Begriff "Weltkirche", den sie geographisch ("Welt" als "Erde") und kulturell ("Welt" als Gegensatz zu "Kirche") bestimmt. In beiden Interpretationen leiste das Konzil Fortschritte für das Verhältnis Kirche und Welt, jedoch parallel zu den Entwicklungen in Gesellschaft und Politik.
Zum Verhältnis von Ortskirche und Universalkirche sprach der Bonner Systematiker Karl-Heinz Menke. Letzterer sei der Primat vor der Ortskirche zuzusprechen, da auch die Gemeinschaft der ersten Apostel der Gemeindebildung vorausginge. Aus dieser apostolischen Einheit müsse die Katholizität verstanden werden, denn ihnen wurde der Missionsauftrag zugesprochen. Erst die weitere Entwicklung habe zur ausdrücklichen Vielheit geführt.
Aus kirchenrechtlicher Perspektive zeigte Norbert Lüdecke die Zentralität der Katholischen Kirche in Rom auf. Jede Vielheit verdanke sich der Zentralgewalt des Papstes und auch der Missionsauftrag der Gemeinden sei von dieser her gesteuert und unterstützt. Insofern biete das kirchliche Gesetzbuch als globales Kirchenrecht die Ordnungsgestalt kirchlichen Handelns und die Chance zum Mittun daran.
 
Symposium 2008 Plakat Bild

Der Salzburger Fundamentaltheologe Gregor Maria Hoff verortete das Katholische in den Raum der Differenzen. Daher müsse sich für eine katholische Weltanschauung eine Offenheit für das Ganze der heutigen Lebenswelt und damit für Differenzen ergeben, in denen Elemente der Kirche Christi zu finden seien.
Am zweiten Tag des Symposiums wurde durch international erfahrene Referenten das Katholische regional perspektiviert - gerade im Hinblick auf die Regionen, in denen sich Kirche in neuer Weise wiederfindet.
Den programmatischen Vortrag hielt der Mainzer Pastoraltheologe Michael Sievernich unter der Frage, ob Mission eurozentrisch sei. Er wies auf, dass es zu Beginn der Neuzeit zwar eurozentrische Tendenzen der Mission gab, etwa im Umgang mit dem neuentdeckten Amerika, biblisch und gesamtgeschichtlich aber Mission immer grenzüberschreitend und dynamisch war, weshalb er sie eurokatholisch, d. h. nach außen offen, charakterisiert.
Frau Hadwig Müller, lange Zeit beim Aufbau von Basisgemeinden in Brasilien beteiligt, stellte das von Erzbischof Albert Rouet von Poitiers initiierte Modell der Basisgemeinden vor, welches die Weite der Welt und die Tiefe des Evangeliums berücksichtige und in der Kommunikation der Gemeinden untereinander ein Miteinander und Füreinander in der Nachfolge Christi verwirkliche.
Der international renommierte Theologe Felix Wilfred interpretierte das Katholische als eine Angelegenheit einer noch unbestimmten Ganzheit. Daraus entwickelte er das Modell einer umgekehrten Katholizität, die bereit ist, von anderen zu lernen. Katholische Spiritualität sei daher von Unbegrenztheit geprägt, wie sich gerade in der asiatischen Praxis - etwa bei der Akkommodation fremder Praktiken - zeige.
Der Dresdner Systematiker Albert Franz machte die Schwierigkeiten der Übersetzung des Katholischen in das postkommunistische Osteuropa deutlich, welche sich v. a. im Hinblick auf die Freiheit des Menschen, das Verhältnis von Staat und Kirche und den Kirchenbegriff des "Volk Gottes" darstellten. Dies mache weltweite Offenheit und gleichzeitig konkrete Kontextualität für eine katholische Identität notwendig.
Zuletzt stellte Claude Ozankom das Modell der Kirche als „Familie Gottes“ dar, welches er in den Kontext der afrikanischen Frage nach Identität und Autonomie stellt. Theolo-gisch erweise sich das Modell durch seine Verortung in der Trinität und im Christus-ereignis als relevant, praktisch sei in den kleinen christlichen Gemeinschaften und der Praxis des „Palavers“ die Möglichkeit zur Umsetzung gegeben. Prägend sei ein geschwisterliches Autoritätsverständnis und eine dialogische Kommunikation.Das Symposium zeigte die Vielfältigkeit des Katholischen sowohl theoretisch, als auch in der konkreten Praxis auf. Insofern hat sich gezeigt, dass sich die Identität des Katholi-schen im Spannungsverhältnis zwischen Offenheit und Zentriertheit, zwischen Einheit und Vielfalt bzw. zwischen Eigenem und Differenten zeigt. Für die Transformationspro-zesse ergibt sich damit zum einen die Frage, ob das Katholische daher überhaupt trans-formiert werden muss oder kann bzw. inwiefern in der Praxis der nicht westlich orien-tierten Welt des Katholischen diese Identität des Katholischen sich konkretisiert. Dabei wurde deutlich, dass das Spannungsverhältnis der katholischen Identität gerade im Kon-text der differenten Welt zu Aufbrüchen geführt hat und führt.
 

 

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