Universität Bonn

Katholisch-Theologische Fakultät

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2021

Seminar (10100503): Grundlagen und Prinzipien christlicher Gesellschaftslehre222

Mag. theol. Lars Schäfers (durchführend)
Prof. Dr. Dr. Jochen Sautermeister (verantwortlich)

Ort und Zeit:
Do, 08-10 Uhr c.t.
Diese Lehrveranstaltung findet digital statt.
Beginn: 15.04.2021

Kommentar:
Pandemie, Klimawandel, Digitalisierung, Populismus, globale Ungleichheiten: Wir leben in einer Zeit weltweiter, krisenhafter Veränderungen. Diese Themen begleiten uns in den täglichen Nachrichten. Oft betreffen sie uns auch lebenspraktisch. Und genau diese Themen sind es, die die Christliche Gesellschaftslehre (CGL), häufiger auch Christliche Sozialethik (CSE) genannt, eingehend reflektiert.
Sie ist dasjenige Fach innerhalb der Theologie, das methodisch geleitet nach globaler Gerechtigkeit auf der Grundlage des christlichen Welt- und Menschenbildes und des interdisziplinären Austauschs fragt. Die CGL als vergleichsweise junges theologisches Fach versteht das mit allen Menschen guten Willens geteilte Streben nach einer gerechten Gesellschaft als Glaubenspraxis: Christliche Nächstenliebe hört nicht beim Nächsten auf, sondern greift verändernd auf gesellschaftliche Strukturen und Institutionen aus. Angesichts christlicher Weltverantwortung kommt dem Fach die Aufgabe zu, Wirtschaft, Politik, Umwelt, Medien, Bildung, allgemein gesprochen: das Soziale und die gesellschaftlichen Strukturen ethisch zu reflektieren. Unter dem klassischen Label der Katholischen Soziallehre (KSL) hat das Fach zudem eine lehramtliche Rückbindung und findet weit über die Kirche hinaus Beachtung. CGL und KSL sind damit zentrale theologisch-wissenschaftliche Orte des Ringens um das Verhältnis zwischen Kirche und moderner Gesellschaft.
Das Seminar widmet sich der Genese und den Grundlagen des Fachs und den grundlegenden Sozialprinzipien von CGL und KSL vor dem Hintergrund aktueller politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Problemlagen.


Seminar (10100510): Aktuelle Herausforderungen für die christliche Soziallehre in Europa3332

Prof. Dr. Andreas Rauch (durchführend)
Prof. Dr. Dr. Jochen Sautermeister (verantwortlich)

Ort und Zeit:
Do, 16-18 Uhr c.t.
Diese Lehrveranstaltung findet digital statt.
Beginn: 15.04.2021

Kommentar:
Schon vor der Corona-Pandemie befand sich der Prozess der europäischen Integration in der Krise: zu unterschiedlich waren die sozial- und wirtschaftsethischen Vorstellungen einzelner Mitgliedsstaaten. Das zeigte sich am Beispiel vom Großbritannien, welches in vielen Bereichen an seinen Vorstellungen eines Manchester-Kapitalismus festhielt, was mit der Sozialcharta des Europarates und den wirtschaftspolitischen Vorstellungen der übrigen Europäischen Gemeinschaft nicht vereinbar ist, weshalb es letztlich zum Brexit kam. Aber auch im Falle der Visegrád-Staaten zeigt es sich, dass grundlegende Vorstellungen von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten nicht mit den übrigen EU-Mitgliedsstaaten kompatibel sind.

Das Seminar geht der Frage nach, wo Grundlagen christlicher Sozial- und Wirtschaftsethik in der Europäischen Union zu suchen und wo gemeinsame Wertvorstellungen zu finden sind. Dabei sollen auch umweltethische Fragestellungen Berücksichtigung finden, so wie sie Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato si“ formuliert hat. Denn die Religionsgemeinschaften, so auch die katholische Kirche und mit ihr die COMECE (= Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union), stellen nach wie vor eine wichtige, gesellschaftliche Gruppierung in der europäischen Zivilgesellschaft dar. Dabei spielen auch die Außenbeziehungen der Europäischen Union eine wichtige Rolle, etwa in Bezug auf das Heilige Land, dem Iran, dem Irak oder etwa der Zukunft afrikanischer Staaten angesichts der weltweiten Herausforderungen von Globalisierung und Digitalisierung.

Die Lehrveranstaltung geht zudem der Frage nach, wo im Bereich der Sozial-, Wirtschafts- und Umweltethik berufliche Einbindungen von Theologen aufgrund von christlichen Wertvorstellungen angesichts der aktuellen Problemlagen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft möglich und erwünscht sind.

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