Universität Bonn

Katholisch-Theologische Fakultät

16. Juni 2026

Prof. Dr. Friedrich Kießling: katholisch – wie katholisch? Pragmatismus und Wertorientierung in der Politik Konrad Adenauers Prof. Dr. Friedrich Kießling: Konrad Adenauer, der Katholik - zwischen Pragmatismus und Wertorientierung

4. Fritz Tillmann-Lecture der Katholisch-Theologischen Fakultät, 
1. Juli 2026, 18 Uhr c.t., Großer Hörsaal, Wegelerstraße 10, Bonn

Konrad Adenauer beim Katholikentag 1956
Konrad Adenauer beim Katholikentag 1956 © Bundesarchiv, B 145 Bild-F003951-0011 / Rolf Unterberg / CC-BY-SA 3.0
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Prof. Dr. Friedrich Kießling:
katholisch – wie katholisch?
Pragmatismus und Wertorientierung in der Politik Konrad Adenauers

4. Fritz Tillmann-Lecture der Katholisch-Theologischen Fakultät
1. Juli 2026, 18 Uhr c.t., Großer Hörsaal, Wegelerstraße 10, Bonn
(ca. 5 Min. Fußweg vom Poppelsdorfer Schloss)

Vortrag, Diskussion und Empfang
Wir bitten um Anmeldung via https://kurzlinks.de/ktf-lecture


Der späte Adenauer verkörpert – wie kaum eine andere Figur – die „frühe Bundesrepublik“, ihren Politikstil, ihre Lebenswelten. Die populäre Wahrnehmung dieser Zeit wird bis heute vom Narrativ eines machtbewussten „rheinischen Katholizismus“ geprägt. Adenauer, der Kölner Katholik und Kanzler, passt perfekt in dieses Bild. Er gilt als knallharter Machtstratege, der im Zweifel keinen allzu großen Wert auf demokratische Prinzipien legte.

Die Forschung hat derlei Zuschreibungen längst differenziert. Konrad Adenauer wusste die institutionellen und ideologischen Ansprüche der Kirchen sehr wohl zurückzuweisen, wenn sie ihm nicht opportun erschienen. Bei aller politischen Wendigkeit wiederum verfolgte er Ziele, die ihm wirklich wichtig waren, hartnäckig und über Jahre hinweg. Wie also lässt sich sein politisches Denken und Handeln zwischen Pragmatismus und Wertorientierung fassen? Wie viel Katholizismus steckte noch darin? Und welche Erfahrungen gaben ihm und anderen, die den Niedergang der Weimarer Demokratie und den Aufstieg des Nationalsozialismus erlebt hatten, nach 1945 den Mut, in politisch unüberschaubarer Lage Entscheidungen zu treffen, die Deutschland und Europa bis heute prägen? Lässt sich an seinem Beispiel etwas lernen – auch oder gerade über den Umgang mit Ambiguitäten, Identitäten und (politischen) Sinnentwürfen?

Prof. Dr. Friedrich Kießling
Prof. Dr. Friedrich Kießling ist seit 2020 Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Bonn. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Internationalen Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert, Ideen- und Intellektuellengeschichte, Imperialismus- und Kolonialgeschichte sowie die Gründung und Geschichte der Bundesrepublik Deutschland 1949-1990 und die darin fortwirkende "Nachgeschichte" des Nationalsozialismus. Im Oktober 2025 erschien seine Biografie von Konrad Adenauer.
https://www.igw.uni-bonn.de/de/institut/neuzeit/lehrstuhl-kiessling/lehrstuhl-prof-dr-friedrich-kiessling
https://www.dtv.de/buch/adenauer-28468

Fritz Tillmann - Namensgeber der Lecture
Fritz Tillmann (1874-1953) war 1913 bis zu seiner Emeritierung 1940 Professor für Moraltheologie und von 1919 bis 1921 Rektor der Universität Bonn. Er trug maßgeblich zur Entwicklung einer interdisziplinär ausgerichteten, den modernen Bibelwissenschaften verpflichteten Theologie bei. Dabei setzte er Impulse und Maßstäbe, die noch im Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) fortwirkten und bis heute von Bedeutung sind. Als sozial engagierter Priester und Seelsorger gründete Fritz Tillmann 1920 den „Verein Studentenwohl e.V.“, eine der ersten Einrichtungen dieser Art und Vorläufer des Bonner Studierendenwerks. Ende der 1920er Jahre gehörte er zu den Initiatoren und ersten Vorsitzenden des Deutschen Studentenwerks und des Deutschen Hochschulverbands. Mit Beginn der nationalsozialistischen „Gleichschaltung“ 1933 zog er sich aus allen Ämtern zurück.

Forschungsschwerpunkt und Rahmen der Lecture
Ambiguitäten - Identitäten - Sinnentwürfe: diese Begriffe umreißen den Forschungsschwerpunkt der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn. Die zunehmende Pluralität religiöser und weltanschaulicher Positionen und die Folgen technologischer wie ökologischer Transformationsprozesse provozieren Krisenwahrnehmungen und -reaktionen, aus denen eine große Verunsicherung spricht. Ein konstruktiver Umgang mit den Herausforderungen der „Spätmoderne“ kann nur gelingen, wenn Mehrdeutigkeiten und Widersprüche – individuell wie kollektiv – angenommen und verhandelt werden. Die Theologie kann dazu mit der ihr eigenen Hermeneutik und Methodenvielfalt einen spezifischen und relevanten Beitrag leisten. Dies spiegelt sich in der fakultätseigenen Publikationsreihe (Verlag Herder), in gemeinsamen Lehrveranstaltungen und öffentlichen Lectures.

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn
Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn zählt zu den renommiertesten Katholisch-Theologischen Fakultäten Deutschlands. Ihre Lehre basiert auf starken Forschungsleistungen in den einzelnen theologischen Disziplinen. Hier studieren künftige Pastoralreferent*innen und Priester sowie Religionslehrer*innen für Gymnasien, Gesamt- und Berufsschulen. Ihre neuen BA-Studiengänge eröffnen außerdem das weite Spektrum geisteswissenschaftlicher Studien- und Berufswege.


Kontakt:
Ruth Jung
Katholisch-Theologische Fakultät
Rabinstraße 8 | 53113 Bonn | www.ktf.uni-bonn.de
+49 / 228 / 73-7343
dekanat.ktf@uni-bonn.de

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