Das Numeri-Manuskript 4QNum-b wurde in Höhle 4 nahe den Ruinen von Chirbet Qumran gefunden. Es datiert um die Zeitenwende (30 v. Chr.–20 n. Chr.) und wird oft einem „präsamaritanischen“ Texttyp zugeordnet. D. h., man nimmt aufgrund von Übereinstimmungen mit Besonderheiten im Samaritanischen Pentateuch an, dass in diesem Manuskript die Vorgeschichte der samaritanischen Texttradition greifbar wird. Kirsten M. Schäfers hat die in 4QNum-b erhaltenen Lesarten neu untersucht und konnte zeigen, dass diese Annahme dem komplexen Befund nicht in Gänze gerecht wird. Vielmehr finden sich in dem Manuskript auch viele auffällige exklusive Übereinstimmungen mit Lesarten, die wir aus der griechischen Texttradition der Septuaginta kennen. Diese sind nicht ohne weiteres mit der Annahme, dass es sich bei 4QNum-b um einen Vorläufer der samaritanischen Texttradition handelt, zu vereinbaren. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die textgeschichtliche Entwicklung, die sich in späterer Zeit u. a. in den Versionen von MT, LXX und Sam verfestigt, viel weniger einlinig verläuft als angenommen.
Eine neu erschienene englischsprachige Studie fasst nun die Untersuchungen von Kirsten M. Schäfers zu 4QNum-b zusammen und ist im Gold Open Access verfügbar:
Kirsten M. Schäfers, 4QNumb LXX vs. MT SP. Evidence for Non-Linear Processes in the Textual Development of the Book of Numbers from a Neglected Variant Pattern, in: Frédérique M. Rey/Stefan Schorch/Sophie Robert-Hayek (Hg.), Urtext and Variance. The Quest for the Texts of the Hebrew Bible (CBET 122), Louvain 2025, 167–245. Online Open Access verfügbar über bonndoc: https://hdl.handle.net/20.500.11811/13889. DOI: https://doi.org/10.48565/bonndoc-784.
Die Veröffentlichung wurde durch den Open Access-Publikationsfonds der Universität Bonn unterstützt.