Die Arbeit untersucht die ökologische Krise als eine zutiefst soziale und machtstrukturierte Herausforderung und fragt nach ihrem bislang unzureichend reflektierten Zusammenhang mit Geschlechtergerechtigkeit innerhalb der Christlichen Sozialethik. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass ökologische Zerstörung und Klimawandel nicht losgelöst von gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen verstanden werden können, sondern sich in historisch gewachsenen, insbesondere patriarchalen Ordnungen entfalten. Während die kirchliche Umweltverkündigung mit der Enzyklika Laudato si’ und dem Lehrschreiben Laudate Deum eine bereits differenzierte ethische Position zur ökologischen Krise formuliert, bleiben strukturelle Fragen von Geschlecht und Macht darin weitgehend marginalisiert.
Die Arbeit verfolgt die These, dass ökologische und geschlechterbezogene Ungerechtigkeiten nicht additiv nebeneinanderstehen, sondern sich wechselseitig hervorbringen und verstärken. Die systematische Trennung von Umweltethik und geschlechtersensibler Ethik innerhalb der Christlichen Sozialethik erweist sich daher als konzeptionelle Leerstelle, die angesichts der globalen ökologischen Krise normativ problematisch ist. Ziel der Arbeit ist es, diese Leerstelle durch eine ökofeministische Perspektive sichtbar zu machen und für die sozialethische Theoriebildung fruchtbar zu machen.
Methodisch verbindet die Arbeit naturwissenschaftliche Befunde zur ökologischen Krise mit sozialwissenschaftlichen und feministischen Analysen patriarchaler Machtverhältnisse. Auf dieser Grundlage wird der Ökofeminismus als kritische, interdisziplinäre Denkbewegung erschlossen, die ökologische Zerstörung, Geschlechterverhältnisse und ökonomische Ausbeutungslogiken in ihrem Zusammenhang analysiert. Neben einem systematisierenden Überblick über zentrale Strömungen und Wendepunkte des Ökofeminismus werden ökofeministische Theologien als besonders anschlussfähige theologische Ausprägungen dieser Perspektive dargestellt.
Darauf aufbauend entwickelt die Arbeit eine ökofeministische Erweiterung sozialethischer Prinzipien und formuliert Kriterien für eine geschlechter- und machtsensible ökologische Gerechtigkeitsperspektive innerhalb der Christlichen Sozialethik. Diese Kriterien werden exemplarisch auf die kirchliche Umweltverkündigung angewendet und machen deren normative Ambivalenzen sichtbar. Die Arbeit versteht sich damit als Beitrag zu einer integrativen sozialethischen Reflexion, die ökologische Verantwortung und Geschlechtergerechtigkeit nicht getrennt, sondern als untrennbar miteinander verschränkte Dimensionen einer umfassenden Gerechtigkeitsperspektive begreift.