Askese als Milieubildung.
Moralische Ökonomie und soziale Distinktion im spätantiken Christentum
Antrittsvorlesung von PD Dr. Sebastian Hanstein
anlässlich seiner Habilitation im Fach Alte Kirchengeschichte und Patrologie
20. Mai 2026, 14 Uhr c.t., Festsaal, Universitätshauptgebäude, anschließend Empfang im Senatssaal
Das Corpus Caspari, eine Gruppe von bisher wenig beachteten Texten, die um oder kurz nach 400 verfasst wurden, bündelt in nuce jene Konfliktlinien, die zeitgenössisch auch die breitere Debatte um christliche Identität prägen. Dabei richten sich die Texte vor allem an hochgestellte Christen, deren Lebensstil als Prüfstein gilt. Identität erscheint hier nicht als inneres Bekenntnis, sondern als sozial sichtbare Lebensform, die sich an Körper- und Geldpraxis entscheidet. Enthaltsamkeit, Ehe, Besitzverzicht, Almosen, Reinheit und liturgische Nähe fungieren als Kriterien, mit denen Zugehörigkeit markiert, Autorität begründet und Distinktion – auch gegenüber der Mehrheitskirche – erzeugt wird. So wird Askese zum Medium der Milieubildung und zur Grundlage einer Wertordnung, die Besitz, Status und Heiligkeit eng miteinander verschränkt. Gerade an solchen Fragen wird sichtbar, wie strittig die Grenze zwischen Alltag und Ideal ist.
Rektor und Senat, sämtliche Professorinnen und Professoren, Dozentinnen und Dozenten, alle Mitarbeitenden und Studierenden sowie Freundinnen und Freunde der Universität sind herzlich eingeladen.
Prof. Dr. Dr. Jochen Sautermeister
Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät
Zur besseren Planung von Vorlesung und Empfang bitten wir um Anmeldung bis 8. April an:
akg@uni-bonn.de