Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2026
Dr. Kirsten M. Schäfers
M 11 / LA 1 / AufBibl
montags, 10–12 (2 SWS), Hörsaal XIV (Hauptgebäude, Regina-Pacis-Weg)
Klagen, Loben Danken und Bitten gehören zu den Grundvollzügen menschlichen Lebens. Sie finden nicht nur zwischen Menschen untereinander statt, sondern zeigen sich auch und besonders im Gebet als grundlegende Ausdrucksformen und Haltungen. Die Schriften des Alten Testaments sind durchzogen von Gebetstexten und von narrativen Settings, die vielfältige Gebetsformen und -anlässe dokumentieren. Als berühmteste Sammlung von Gebetstexten gilt der Psalter, der auch aus der christlichen Gebetspraxis nicht wegzudenken ist. Die Vorlesung kartiert den alttestamentlichen Befund zum Phänomen „Gebet“ und wird dann „Gebet im und als Text“ anhand einer Einführung in den Psalter nachgehen. Dabei werden die verschiedenen Psalmengattungen historisch wie anthropologisch kontextualisiert und exemplarisch ausgelegt. Diese Analysen werden uns auch ermöglichen, nach den verschiedenen Funktionen des Psalters und den Motivationen seiner Redaktionsgeschichte zu fragen: Ist der Psalter „nur“ ein Gebetbuch? Und wenn nicht, was ist er noch?
Grundlegende Literatur:
Böhler, Dieter, Psalmen 1–50 (HThKAT), Freiburg/Basel/Wien 2021.
Dietrich, Jan u. a. (Hg.), Handbuch alttestamentliche Anthropologie, Tübingen 2023.
Hossfeld, Frank-Lothar/Zenger, Erich, Psalmen 51–100 (HThKAT), Freiburg/Basel/Wien 32007.
Hossfeld, Frank-Lothar/Zenger, Erich, Psalmen 101–150 (HThKAT), Freiburg/Basel/Wien 2008.
Janowski, Bernd, Konfliktgespräche mit Gott. Eine Anthropologie der Psalmen, Neukirchen-Vluyn 72025.
Schnocks, Johannes, Psalmen (UTB 3473 Grundwissen Theologie), Paderborn 2014.
Dr. Kirsten M. Schäfers
LM 1
montags, 16–18 (2 SWS), Seminarraum 1 (Rabinstraße)
Die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk Israel wird in den Schriften des Alten Testaments häufig mit Metaphern und Vergleichen aus den Bereichen „Ehe“, „Bund“ und „Fürsorge“ charakterisiert. Mit diesen Bildern sind zentrale Themen der Gott-menschlichen Beziehungsdynamik verbunden, wie Heil und Unheil, Verantwortung und Versagen, Treue und Untreue, Liebe und Verstoßung. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass der bildgebende Bereich auf – je unterschiedlich gelagerte – menschliche Abhängigkeitsbeziehungen verweist. Ein Schwerpunkt ihrer Verwendung liegt in der prophetischen Literatur. Die Vorlesung analysiert Beziehungsbilder aus dem Bereich „Ehe“, „Bund“ und „Fürsorge“ in der prophetischen Literatur im Rahmen ihrer altorientalischen Mitwelt und in ihrem literarischen Kontext. Wir werden ausgewählte Texte aus Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Hosea auf die ihnen inhärenten Beziehungskonzeptionen befragen und dabei auch auf die Handlungsspielräume achten, die den menschlichen und göttlichen Akteuren zugesprochen werden. Perspektiven aus der feministischen Exegese und aus den Dependency Studies werden uns helfen, die Chancen und Grenzen dieser Konzeptionen zu erheben und das Gott-menschliche Verhältnis aus alttestamentlicher Sicht im Spannungsfeld von Freiheit und Abhängigkeit zu verorten.
Grundlegende Literatur:
Baumann, Gerlinde, Liebe und Gewalt. Die Ehe als Metapher für das Verhältnis JHWH – Israel in den Prophetenbüchern (SBS 185), Stuttgart 2000.
Crüsemann, Frank, Versuch über die drohende Vereinsamung Gottes, in: ders., Kanon und Sozialgeschichte. Beiträge zum Alten Testament, Gütersloh 2003, 250–262.
Dyma, Oliver, Art. Ehe (AT), WiBiLex (2010). Online: https://bibelwissenschaft.de/stichwort/16896/.
Eisen, Ute E./Müllner, Ilse (Hg.), Gott als Figur. Narratologische Analysen biblischer Texte und ihrer Adaptionen (HBS 82), Freiburg/Basel/Wien 2016.
Exum, J. C., Prophetic Pornography Revisited, in: Rannfrid I. Thelle/Terje Stordalen/Mervyn E. Richardson (Hg.), New Perspectives on Old Testament Prophecy and History (VT.S 168) Leiden 2015, 121–139.
Hieke, Thomas, Von der Unzulänglichkeit des menschlichen Redens von Gott. Hosea 11 und andere Metaphernsprenger im Alten Testament, in: Veronika Burz-Tropper (Hg.), Gottes-Bilder. Zur Metaphorik biblischer Gottesrede (BWANT 232), Stuttgart 2022, 71–87.
Krause, Joachim J., Die Bedingungen des Bundes. Studien zur konditionalen Struktur alttestamentlicher Bundeskonzeptionen (FAT 140), Tübingen 2020.
Sedlmeier, Franz/Steymans, Hans U. (Hg.), Bundestheologie bei Hosea? Eine Spurensuche (BZAW 522), Berlin/Boston 2022.
Winnebeck, Julia u. a., The Analytical Concept of Asymmetrical Dependency, in: Journal of Global Slavery 8 (2023), 1–59.
Dominik Schlauß
Diese Veranstaltung findet an der Universität zu Köln statt.
dienstags, 8–10 (2 SWS)
Die alttestamentliche Exegese verfügt über einen ausdifferenzierten, historisch gewachsenen Methodenkanon. Eine wissenschaftliche Auslegung biblischer Texte setzt die Kompetenz ihrer Anwendung voraus. Ebenso erfordern das sachgemäße Verständnis der alttestamentlichen Forschungsliteratur und die Einordnung ihrer Ergebnisse eine Kenntnis der verschiedenen methodischen Zugänge zum Text. Das Proseminar stellt die wichtigsten analogen und digitalen Hilfsmittel für die Erschließung und exegetische Untersuchung alttestamentlicher Texte vor. Es vermittelt einen Überblick über die Methoden alttestamentlicher Exegese. Der Schwerpunkt liegt auf literaturwissenschaftlichen und historisch-kritischen Methoden, deren Anwendung am Beispiel von Texten aus dem Abraham/Sara-Zyklus (Gen 11,27–25,11) eingeübt wird.
Dr. Kirsten M. Schäfers
M 7 / LA 1 / Aufb Bibl
dienstags, 14–16 (2 SWS), Seminarraum 3 (Rabinstraße)
Recht und Gerechtigkeit gehören zu den zentralen Pfeilern der alttestamentlichen Ethik. Damit steht das Alte Testament fest verwurzelt in der Weltsicht der altorientalischen Welt, denn ohne Recht und Gerechtigkeit würde das Chaos die Ordnung zerstören. Allerdings geht das antike Israel auch eigene Wege, indem es den personae miserae (Witwen, Waisen, Fremden) eine besondere Aufmerksamkeit schenkt, die durch das prophetische Ethos beeinflusst scheint. Das Seminar geht den alttestamentlichen Gerechtigkeitskonzeptionen in ihrem altorientalischen Kontext anhand von Schlüsseltexten nach. Dabei konzentrieren wir uns auf die ethischen und rechtlichen Ansprüche wie die (sozialen) Rollen und Funktionen, die für menschliche und göttliche Akteure in den Texten formuliert werden. Wer und was ist „gerecht“? Wer soll wie zum Erhalt von „Gerechtigkeit“ beitragen? Welche Auswirkungen hat „Ungerechtigkeit“? Ein weiterer Fokus liegt darauf, was eigentlich geschieht, wenn sich Gott selbst nicht an Recht und Gerechtigkeit hält und gegen Unschuldige (wie Ijob) oder auch Kinder (Klagelieder) vorgeht? Die theologische Brisanz entlädt sich in der Frage Abrahams: „Sollte der Richter der ganzen Erde nicht Recht üben?“ (Gen 18,25).
Grundlegende Literatur:
Berges, Ulrich, Justice and Righteousness in the Old Testament – Reflecting on Slavery in the Hebrew Bible (DSS 20), Berlin/Boston 2025. [Online im Open Access verfügbar.]
Fischer, Stefan, Art. Gerechtigkeit / Gerechter / gerecht (AT), in: WiBiLex (2015). Online: http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/19316/.
Kessler, Rainer, Der Weg zum Leben. Ethik des Alten Testaments, Gütersloh 2017.
Witte, Markus (Hg.), Gerechtigkeit (UTB 3662 Themen der Theologie), Tübingen 2012. [Über VPN als eBook verfügbar.]
Dominik Schlauß
M 15/23 / Plus Bibl / LWP 1
montags, 16–18 Uhr (2 SWS), Raum 3.139 (Rabinstraße)
Eine Erkenntnis steht am Beginn aller exegetischen Bemühungen: Die Übersetzung eines biblischen Textes ist selten so eindeutig, wie gängige Versuche augenscheinlich vermuten lassen. Die eigene Arbeit am Text setzt diesen fremden Ergebnissen einen kreativen Prozess entgegen: Im selbstständigen Ringen um einzelne hebräische Worte und ihre konkreten Hintergründe kommen jene scheinbar vergessenen Bedeutungsnuancen zum Vorschein, die unweigerlich bei jedem Übersetzungsvorgang verloren gehen. Die sprachliche Festlegung auf ein bestimmtes Wort entscheidet dabei nicht zuletzt auch über die Möglichkeiten der Interpretation eines Textes. Im Mittelpunkt dieses Kurses stehen daher beispielhaft ausgewählte Texte des Alten Testamentes, deren sprachliche Gestalt ungeahnte Übersetzungen zulassen, die mindestens eines gemeinsam haben: Die am Hebräischen ausgerichtete Übersetzung macht einen Unterschied, der theologisch relevant ist und neue inhaltliche Perspektiven ermöglicht! Um dieses spannende Unterfangen eigenständig umsetzen zu können, werden in einem ersten Schritt all jene sprachlichen Voraussetzungen geschaffen, die den klassischen Inhalten eines zweiten Hebräisch Kurses entsprechen (Stammesmodifikationen; Analyse schwacher Verben). Diese notwendigen Kompetenzen bilden das tragende Fundament des sich anschließenden Versuches, sprachliche und inhaltliche Perspektiven eines Textes in besonderer Weise miteinander zu verknüpfen. So geht es letztlich um nicht weniger als um den praktischen Beweis jenes Grundsatzes, der alle Sprachkurse begleitet: Hebräisch macht einen entscheidenden Unterschied!
Teilnahmevoraussetzungen: Die Freude an der theologischen Auseinandersetzung mit alttestamentlichen Texten und die Bereitschaft zur eigenständigen Erstellung von Arbeitsübersetzungen sind unumgänglich. Bereits vorhandene Sprachkenntnisse auf dem Niveau des Kurses „Hebräisch I” sind im Blick auf die Arbeit am hebräischen Urtext zwar dringend empfohlen, eine formale Bedingung für die Teilnahme an dieser Übung stellen sie jedoch ausschließlich im Modul „BA Plus Bibl” dar. Wer sich nicht sicher sein sollte, ob die eigenen sprachlichen Kompetenzen (noch) ausreichend vorhanden sind, ist herzlich zur Teilnahme an den vorbereitenden Hebräisch-Tutorien an vier Nachmittagen im März eingeladen, die von Frau Katharina Orth (orthkatharina@uni-bonn.de) angeboten werden und allen Studierenden offenstehen. Dort werden die grundlegenden Inhalte des Kurses „Hebräisch I” wiederholt und praktisch gefestigt.
Dr. Kirsten M. Schäfers
montags, 18–20 (zweiwöchentlich, 1 SWS)
Sprachkurs: Hebräisch 1 (Bachelor/Lehramt)
Yolana Jahn
Hebräisch Stufe 1 / Optionalbereich PHF
mittwochs, 12–14 (2 SWS), Seminarraum 3 (Rabinstraße)
Der einsemestrige Sprachkurs führt in die grundlegenden grammatikalischen Elemente des Biblischen Hebräisch ein und fördert die individuelle Ausbildung einer Lese- und Übersetzungskompetenz. Die Arbeitsblätter und Übungen des Sprachkurses bauen auf einem Grundwortschatz auf, der die 300 häufigsten hebräischen Wörter der Hebräischen Bibel umfasst. Der Kurs schließt mit einer dreiteiligen Abschlussprüfung (Vokabeltest; schriftliche Klausur; mündliche Prüfung) und erfüllt für Bachelor- und Lehramtsstudierende den geforderten Nachweis von Hebräischkenntnissen.
Hinweis: Für die Teilnahme im Lehramtsstudiengang ist keine gesonderte Anmeldung über Basis oder per E-Mail notwendig. Kommen Sie gerne einfach zur ersten Sitzung.
Sprachkurs: Hebräisch 2 (Bachelor/Magister Theologiae)
Yolana Jahn
Hebräisch Stufe 2 / LWP 1
mittwochs, 14–16 (2 SWS), Raum 3.139 (Rabinstraße)
Der weiterführende Sprachkurs versteht sich als direkte Fortsetzung der beiden Einsteigerkurse. Auf der Grundlage des bereits erarbeiteten Lernstandes steht die Erweiterung der grammatikalischen Kompetenzen (Stammesmodifikationen; schwaches Verb) im Zentrum. Der Kurs schließt mit einer dreiteiligen Abschlussprüfung (Vokabeltest; Klausur; mündliche Prüfung), die wahlweise als Prüfung zum fakultätsinternen Hebraicum oder als Nachweis der geforderten Hebräischkenntnisse abgelegt werden kann. Darüber hinaus empfehlen und fördern wir die Erlangung eines staatlichen Hebraicums, das im Rahmen einer Abiturergänzungsprüfung von der Bezirksregierung Köln verliehen wird.
Hinweis: Für die Teilnahme im Magisterstudiengang ist keine gesonderte Anmeldung über Basis oder per E-Mail notwendig. Kommen Sie gerne einfach zur ersten Sitzung.
Tutorium: Hebräisch I (Bachelor/Lehramt)
Katharina Orth
nach Absprache (2 SWS)
Das wöchentliche Tutorium ermöglicht eine gezielte Vertiefung der im Sprachkurs behandelten Inhalte. Neben Fragen der Studierenden wiederholen wir die Grammatik, üben das Übersetzen ein und beschäftigen uns mit dem Textverständnis der übersetzten Texte.
Eine kontinuierliche Teilnahme erhöht die Sicherheit im Umgang mit der Sprache und unterstützt eine erfolgreiche Prüfungsvorbereitung.
Tutorium: Hebräisch II (Bachelor/Magister Theologiae)
Katharina Orth
nach Absprache (2 SWS)
Das wöchentliche Tutorium ermöglicht eine gezielte Vertiefung der im Sprachkurs behandelten Inhalte. Neben Fragen der Studierenden wiederholen wir die Grammatik, üben das Übersetzen ein und beschäftigen uns mit dem Textverständnis der übersetzten Texte.
Eine kontinuierliche Teilnahme erhöht die Sicherheit im Umgang mit der Sprache und unterstützt eine erfolgreiche Prüfungsvorbereitung.
Sprachkurs: Ivrit 1 (Für Anfänger)
Ofra Keck
M 15/23 / Optionalbereich PHF
dienstags und mittwochs, 16.00–17.30 (4 SWS)
Der vierstündige Sprachkurs (4 SWS) ermöglicht den Teilnehmenden einen intensiven und praxisnahen Einstieg in die hebräische Sprache, der mit einer Einführung in die Grundlagen des hebräischen Alphabets sowie in die elementaren Regeln der Grammatik einsetzt. Zur Ausbildung erster praktischer Lese-, Schreib- und Sprecherfahrungen werden kurze Texte, erste selbstständige Dialoge sowie einfache Schreibübungen mit Einblicken in die Traditionen jüdischer Feiertage und das zeitgenössische jüdische Leben verbunden. Nach erfolgreicher schriftlicher Prüfung am Semesterende kann ein Schein erworben werden, der die Voraussetzung für eine Teilnahme am Kurs für Fortgeschrittene darstellt.
Hinweis: Bei Interesse an einer Teilnahme an diesem Sprachkurs melden Sie sich bitte über das Sekretariat des Alttestamentlichen Seminares an (sekretariat-at@uni-bonn.de). Nach Ihrer Anmeldung erhalten Sie weitere Informationen zum Kurs.
Sprachkurs: Ivrit 2 (Für Fortgeschrittene)
Ofra Keck
M 15/23 / Optionalbereich PHF
dienstags, 17.45–19.15 (2 SWS)
Der zweistündige Kurs für Fortgeschrittene (2 SWS) bildet die Fortsetzung des Anfängerkurses und vertieft die bereits erworbenen Hebräischkenntnisse durch die Lektüre komplexerer Texte zu israelischer und jüdischer (Zeit-)Geschichte. Angeleitete Diskussionen in der Lerngruppe fördern die stetige Entwicklung der Sprachpraxis, das eigenständige Verfassen von Briefen und Aufsätzen erweitert sukzessive die Schreibkompetenz. Die Möglichkeit, auch in diesem Sprachkurs einen Teilnahmeschein zu erwerben, ist an die Bereitschaft zur Übernahme eines Referates auf Hebräisch gebunden.
Hinweis: Bei Interesse an einer Teilnahme an diesem Sprachkurs melden Sie sich bitte über das Sekretariat des Alttestamentlichen Seminares an (sekretariat-at@uni-bonn.de). Nach Ihrer Anmeldung erhalten Sie weitere Informationen zum Kurs.