Neutestamentliches Seminar
Im Zentrum unserer Arbeit steht die Beschäftigung mit den 27 Schriften im Neuen Testament, dem zweiten Teil der christlichen Bibel. Wir analysieren und interpretieren die Evangelien und Briefe unter Einsatz philologischer, literatur-, kultur- und geschichtswissenschaftlicher Methoden. Unsere Studien legen wir grundlegend interdisziplinär an; damit leisten wir unseren Beitrag, wissenschaftliche Theologie fest im Diskurs mit anderen Fachwissenschaften zu verankern.
Ein besonderes Augenmerk legen wir hier an unserer Fakultät auf die Erforschung von (literarischen) Vagheiten und Mehrdeutigkeiten in den Schriften und das Ausloten des strategischen Potenzials solcher Ambiguitäten. Wir fragen, wie die einzelnen Texte in den rekonstruierten Ursprungssituationen gewirkt haben oder wirken sollten. Daraus ergeben sich nahezu automatisch grundsätzliche Erwägungen zu theologischer Paradoxalität und gemeindlichen Krisenmanagement.
Darüber hinaus erheben wir das Gefahrenpotenzial biblischer Texte, werden sie doch von ihren (kirchlichen) Trägerkreisen (anhaltend) genutzt, um starke asymmetrische Strukturen zu etablieren oder zu stabilisieren. Auf diesem Feld zeichnet sich schriftübergreifend die Annahme ab, dass die Texte ambig sind. Sie kreieren starke einseitige Abhängigkeiten und stellen diese wiederholt nachhaltig infrage. Diese gegenläufigen Bewegungen vollziehen sich in einer spannungsvollen Gleichzeitigkeit und lassen die Texte gleichermaßen hochgefährlich und zugleich ungemein faszinierend erscheinen.
Prof. Dr. Christian Blumenthal
03-070
Rabinstraße 8
53111 Bonn